80 Jahre EIntrachtmitglied bitte gratulieren!!!!!!!!!!!!!

Gebabbel rund um PFYC

80 Jahre EIntrachtmitglied bitte gratulieren!!!!!!!!!!!!!

Beitragvon PIT2308 » 28 Feb 2013 10:26

Frech kopiert aus dem Eintrachtforum. Die Glückwünsche sollen dem Jubilliar übergeben werden, sind aber noch sehr kläglich. Wäre schön wenn noch viele dazu kommen.

In diesen Wochen wird immer wieder an den 80. Jahrestag der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten erinnert. Adolf Hitler wurde zum Reichskanzler ernannt und entfesselte in den folgenden Jahren ein Terror-Regime, das mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs in ganz Europa wütete. Am Ende des „tausendjährigen Reichs“ im Mai 1945 waren große Teile Europas ein Trümmerfeld, viele Millionen Menschen hatten im Zweiten Weltkrieg ihr Leben verloren.

In den Wochen, als in Deutschland Terror und Gewalt politisch legitimiert wurden, machte sich ein damals 11-jähriger Junge auf den Weg zum Riederwald. „Wir haben immer in der Grünanlage an der Peterskirche und im Park am Scheffeleck Fußball gespielt. Jeder hatte seinen Spitznamen und ich war der `Micki`, wieso weiß ich gar nicht. Den Fritz Fleischer, der ein halbes Jahr älter war als ich, nannten wir `Moppel`, er war der Bruder der späteren Olympiasiegerin Tilly Fleischer. Und der hat immer an mir herumgemacht und gesagt: `Komm, wir gehen zur Eintracht.`“ Und so wurde Karl Kraus, um den es in dieser Geschichte geht, am 1. März 1933 Mitglied im Verein. Fan der Eintracht war er schon viel länger: „Als ich sechs oder sieben Jahre war, war ich zum ersten Mal als Zuschauer bei einem Fußballspiel. Mein Onkel hat mich mitgenommen, der ist zur Eintracht und zum Sportverein gegangen. Der war eine große Stütze für mich, weil er so sportinteressiert war – ich war längst glühender Anhänger der Eintracht. Meine Eltern hat das nicht interessiert, mit Fußball hatten die nichts am Hut.“


Nach der Anmeldung spielte Micki bei den Schülern der Eintracht. In der Schule wurde er dadurch zum Aussenseiter, denn: „Beim kicken in den Grünanlagen war das Verhältnis Eintracht-Sportverein noch pari, aber in der Schule sah es schlecht aus. Ich wohnte in der Schäfergasse und bin katholisch, die von uns aus nächste Mittelschule war die Bethmann-Mittelschule in der Seilerstraße, die war aber nur für evangelische Kinder. Ich musste also mit dem Fahrrad bis in die Bornheimer Mittelschule fahren. Wir waren in unserer Klasse 30 Schüler: Da waren 28 im Sportverein und nur zwei bei der Eintracht.“

Mit 14 Jahren kickte Micki in der B-Jugend der Eintracht, mit 16 dann in der A-Jugend. Das auch das Sportleben der Vereinen in Nazi-Deutschland von der Politik durchsetzt wurde, merkte er am eigenen Leib: „Man musste, um in der Jugend überhaupt spielen zu können, Mitglied der Hitlerjugend sein. Der Schiedsrichter hat vor Spielen kontrolliert, ob man seinen HJ-Dienst geleistet hatte, erst dann konnte man kicken. Zu den Spielen mussten wir in Uniform kommen, vor den Spielen mit dem Deutschen Gruß grüßen.“ Micki Kraus ist der letzte Zeitzeuge, der den ermordeten jüdischen Eintrachtler Julius `Jule` Lehmann kannte: „Ich habe mit ihm nicht zusammen gespielt, der war älter als ich. Der war Jahrgang 1917, ich Jahrgang 1921. Das sind Welten, wenn man jung ist. Der Julius Lehmann war aber ein dufter Typ. Das die Eintracht in Erinnerung an Jule und seinen Bruder im vergangenen Jahr am Riederwald Stolpersteine verlegt hat, hat mich sehr bewegt.“



1936 beendete Karl Kraus die Mittelschule und begann eine Lehre als Kürschner. „Meine Eltern hatten ein Hut- und Mützengeschäft, da hat das gut gepasst.“ Auch als Lehrling blieb er der Eintracht verbunden, ab 1939 kickte er in der Reservemannschaft des Vereins. „Da hatte der Krieg schon begonnen, und viele Sportler wurden eingezogen. Da sind wir dann von der Jugend etwas schneller nachgerückt, wir hatten aber auch eine gute Jugend.“ Doch auch Micki Kraus, der mittlerweile seine Lehre beendet und die Gehilfenprüfung abgelegt hatte, musste zum Militär. Im Oktober 1940 wurde er Soldat, nach der Ausbildung in Hersfeld dann nach Brest in Frankreich verlegt. „Als einziger Kürschner in der Einheit wurde ich zum Pelzberater für Generäle, Adjutanten, Divisionspfarrer und Offiziere. Da hatte ich eine schöne Zeit, ich musste immer mit denen im Auto zu den Pelzhandlungen fahren, alles hat gegrüßt, und hinten saß der Rekrut Kraus.“ Später verschlug es ihn nach Russland, wo er zweimal verwundet wurde. „In Russland war es so, dass man `auf deutsch gesagt` das Glück hatte, verwundet zu werden. Einen geregelten Urlaub wie anfangs gab es aus Russland gar nicht mehr.“ So sorgte die Verwundung dafür, dass Micki endlich seine 1943 geborene Tochter Karin sehen konnte. Und er absolvierte zwei Spiele in der Ersten Mannschaft: Im Mai 1944 setzte es eine bittere 0:10 Niederlage in Oxxenbach, eine Woche später gab es ein 2:4 in im Pokal in Wiesbaden. „Gerade das 0:10 wurmt mich, weil es auch noch ausgerechnet gegen Oxxenbach war.“ Nach seiner zweiten Verwundung hatte Micki Glück, der Spieß in der Genesungskompanie in Wetzler war ein Fußballnarr und suchte Kicker. So wurde der Obergefreite Kraus zum Unteroffizierslehrgang nach Weimar geschickt. „Da konnte ich dann als Ausbilder bleiben. Aber das war nur aufgrund von persönlicher Sympathie und dem Fußball. Wenn er mich nicht dahin geschickt hätte, wäre ich eine Woche später wieder an die Front geschickt worden. Anfang 1945 wurde ich von den Amerikanern im Thüringer Wald gefangen genommen, zum Glück blieb mir die Kriegsgefangenschaft erspart.“

Trotz des Glücks, nicht in Gefangenschaft zu müssen, war der Neuanfang nach Kriegsende auch für Micki schwer. Das elterliche Hut- und Mützengeschäft war zerbombt, auch die Wohnung in der Kaiserstraße zerstört. Micki, der noch 1945 seine Frau Anni heiratete, machte sich selbständig. Zunächst wohnte er mit Familie und Eltern in der Textorstraße, später zog er mit Frau und Tochter in der Wolfsgangstraße. Er bekam von einem großen Konfektionär ein Angebot und führte fortan ein Einzelhandelsgeschäft in Mainz. Weitere Geschäfte folgten in Darmstadt, Bonn und Frankfurt. „Da war ich ausgefüllt. Ich war einen Tag in Mainz, einen Tag in Bonn, einen Tag in Darmstadt und einen Tag in Frankfurt – dann ging es vorne wieder los. Das habe ich mit großer Freude gemacht, ich habe an meinem Beruf richtig gehangen.“ Nebenbei wurde natürlich weiterhin Fußball gespielt, zeitweise beim Turnverein 1860, denn „bei der Eintracht konnten die vielen Spieler gar nicht untergebracht werden, so haben wir beim TV 1860 eine Art Filiale aufgemacht. Damals sind viele Eintrachtler zum TV 1860 gegangen und haben dort Fußball gespielt. Selbst die Zeitungen haben damals von 1860 als der `kleinen Eintracht` berichtet.“



Die Spiele seiner Eintracht verfolgte er live im Stadion, meist war Micki auch auswärts live dabei. Auch 1959, als die Eintracht den Gewinn der Deutschen Meisterschaft feierte. „Als klar war, dass die Eintracht im Endspiel steht, mußten wir da natürlich auch hin. Zu viert sind wir in einem kleinen Käfer bis Berlin gefahren, die schwarz-weiße Fahne hing aus dem Wagen. Die Fahne ist übrigens heute im Eintracht-Museum ausgestellt. Nach dem Spiel habe ich zum Erich Hodick, auch ein ganz großer Eintrachtler, der direkt vor mir saß, gesagt: `Wer weiß, ob wir das noch mal erleben.`“

Privat gab es für Micki 1965 einen schweren Schicksalsschlag. Vollkommen überraschend verstarb seine Frau Anni im Alter von nur 43 Jahren an einer Embolie. Der Tod seiner Frau war für Micki ein furchtbarer Schock. Doch der Mittvierziger stand fest im Leben, kümmerte sich weiter um seine Geschäfte und die Familie. Ein Freund aus Eintracht-Kindheitstagen, Jose Tuttusaus, machte ihn mit dessen Heimat Spanien bekannt. So verbrachte Micki immer wieder seine Urlaube in Spanien und als er endlich das Rentnerleben genießen konnte, fuhr er regelmäßig in den Süden. Jedes Jahr verbrachte Micki drei Monate in der Nähe von Barcelona, noch heute telefoniert er regelmäßig mit Freunden aus Spanien. Der FC Barcelona wurde nach der Eintracht sein zweiter Verein. Aber er blieb der zweite Verein, denn auch in Spanien waren die Bundesliagergebnisse das Wichtigste.

Nach 50 Jahren in der Wolfsgangstraße zog Micki 2004 wieder zurück nach Sachsenhausen, nun wohnt er in einem Haus mit seiner Tochter Karin. Bis vor wenigen Jahren war er noch täglich in Sachsenhausen zum Spaziergang unterwegs, nach einem Krankenhausaufenthalt im Dezember geht es ihm derzeit, wie er selbst sagt, „nicht so gut. Aber man muss ja auch das Alter sehen, ich bin mittlerweile 91, da muss ich hoch zufrieden sein. Viele meiner Freunde sind schon im Krieg gefallen.“ Die Wohnung in Sachsenhausen kann er nicht verlassen, täglich kommt ein Pfleger vorbei, um ihn zu unterstützen („der ist fußballinteressiert, kennt sich also aus. Ob er Eintrachtfan ist, das habe ich noch nicht rausgekriegt“.) Unterstützung erhält Micki auch von seiner Tochter Karin, selbst ein großer Eintrachtfan. Und natürlich kommen auch die Enkelin Petra und Urenkelin Leoni regelmäßig vorbei. „Wir sitzen hier dann manchmal mit vier Generationen an einem Tisch, das ist ganz toll. In meinem Leben gab es immer drei Sachen: Die Familie, der Beruf und die Eintracht“. Zu einem treuen Freund wurde Paula, der Rauhaardackel von Tochter Karin. Micki interessiert sich für das Weltgeschehen, sagt aber selbst: „Am liebsten schaue ich mir im Fernsehen Tierfilme an. Die anderen Sachen regen mich manchmal zu sehr auf.“ Und Aufregung hat Micki jedes Wochenende: Die Spiele der Eintracht verfolgt er live, und mit der Entwicklung der Veh-Truppe ist er hoch zufrieden. Nur ein Manko gab es diese Saison: „Das wir ausgerechnet gegen Mainz zuhause verloren haben, wurmt mich. Wenn wir hier gegen Leverkusen verloren hätten, hätte ich gesagt, ok. Aber ausgerechnet gegen Mainz...“.

Am 1. März, wenn unsere Eintracht gegen Borussia Mönchengladbach kickt, ist Micki Kraus nun seit 80 Jahren Mitglied der Eintracht, er ist damit das längste Mitglied unseres Vereins. Und eigentlich ist er noch viel länger Eintrachtler, denn: „Bevor ich an den Riederwald gegangen bin, habe ich als Kind in der Turnhalle im Oeder Weg geturnt. Aber bei der Turngemeinde habe ich mich aber abgemeldet, als ich zur Sportgemeinde gewechselt bin.“
Das Team vom Eintracht-Museum gratuliert Micki ganz herzlich zu achzig und mehr Jahren Eintracht Frankfurt. Und wir bedanken uns für zahllose Informationen und Hilfen. Denn: Wenn es Fragen rund um die Eintracht gibt, ist Karl Kraus ein unersetzlicher Ansprechpartner. Alles Gute, und vielen vielen Dank, lieber Micki!
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